Viktor Orbán hat die Wahl, die von den Akteuren, wie auch von Politik und Medien im In- und Ausland zur Schicksalswahl erklärt wurde, krachend verloren. Sein Herausforderer Peter Magyar, der einst auch zur Orbán-Partei Fidesz gehörte, hat mit seiner neuen Partei Tisza 138 der 199 Parlamentssitze gewonnen und damit eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Er könnte also im Staate das „System Orbán“ zu einem „System Magyar“ umbauen, wenn ein Großteil „seiner“ Abgeordneten mitspielt. Diese satte Mehrheit verdankt er den direkt in den Wahlkreisen gewählten Abgeordneten. Bei den Mandatsträgern, die über die Parteilisten gewählt wurden, bekam Magyars Partei 53,21 Prozent der Stimmen.
Der künftige Ministerpräsident ließ offenbar keinen Zweifel daran, dass er sich einen Umbau der ganzen Staatsspitze wünscht. Noch in der Wahlnacht wurde aus Budapest gemeldet:
„Bei seiner Siegesrede in Budapest hat Péter Magyar Vertraute des bisherigen Machthabers Viktor Orbán kritisiert. Staatspräsident Tamás Sulyok solle ihm schnellstmöglich das Mandat zur Regierungsbildung geben und dann von seinem Amt zurücktreten, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger.
Zurücktreten sollten demnach unter anderem auch der Generalstaatsanwalt, der Präsident des Obersten Gerichtshofs und der Leiter der Medienaufsichtsbehörde.“
Der EU-Apparat hatte auf Magyar gesetzt, um endlich den widerspenstigen Orbán los zu werden. Dass der Neue nun ankündigt, den Staat nach seinem Bilde formen zu wollen, ganz so, wie es die EU Orbán immer vorgeworfen hatte, stört in Brüssel derzeit sicher niemanden. „Ungarn hat Europa gewählt“, schrieb die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen laut Medienberichten auf X. Das Land kehre „auf seinen europäischen Weg zurück“, wird sie zitiert. Weiter hieß es in der Meldung:
„Auch der französische Präsident Emmanuel Macron beglückwünschte den Oppositionskandidaten. ‚Ich habe gerade mit Péter Magyar gesprochen, um ihn für seinen Sieg in Ungarn zu gratulieren!‘, teilte Macron auf X mit. Der Präsident schrieb auch von einem Sieg für Ungarn in Europa und dass das ungarische Volk an den Werten der Europäischen Union festhalte.“
Eine ähnliche Politik wie Orbán, nur eben ohne Orbán?
Wirklich? Haben die Ungarn mehrheitlich für Magyars Partei gestimmt, weil dieser das Land wieder auf EU-Kurs führen würde? Versprochen hat er ihnen das nicht. Versprochen hat er ihnen in vielen Punkten eine ähnliche Politik wie Orbán, nur eben ohne Orbán. Magyar ist ein Populist und in dieser Disziplin ganz offensichtlich erfolgreicher als Viktor Orbán. Was auch nicht so schwer ist gegen einen Mann, der nach 16 Jahren Amtszeit erneut antritt.
Die Ungarn haben wahrscheinlich eher für einen Regierungswechsel gestimmt, als für einen grundsätzlichen Politik-Wechsel. Letzteren hat Magyar - wie gesagt - insbesondere auf etlichen Politikfeldern, auf denen Orbán mit der EU über Kreuz lag, auch nicht versprochen. Beispielsweise scheint er keineswegs zur Aufnahme von Asylbewerbern in großer Zahl bereit zu sein.
Dass die ungarischen Wähler sich in großer Zahl von Orbán abgewandt haben, dürfte wohl mehr am Überdruss an einem seit 16 Jahren regierenden und inzwischen omnipräsenten Regierungschef liegen, als an der Unzufriedenheit mit dessen konkreter Politik. Da geht es dem Abgewählten vielleicht ein wenig so, wie seinem großen Vorbild Helmut Kohl. Kein Regierender kann nach 16 Jahren im Amt noch glaubhaft den Charme von Neustart und frischem Elan ausstrahlen. Aber das Bedürfnis nach einem Neustart ist nicht automatisch auch ein Bedürfnis nach einem Kurswechsel. Und Peter Magyar dürften die „Werte der Europäischen Union“ allerhöchstens dann wichtig sein, wenn sie ihm nützen.
Er war selbst jahrelang in Orbáns Partei, war in verschiedenen höheren Positionen im Staatsdienst, doch bis zum Bruch mit der Partei hatte er kein politisches Wahlamt inne. Er war bis 2023 verheiratet mit Ungarns damaliger Justizministerin Judit Varga, die bis zu ihrem Rückzug aus allen politischen Ämtern im Februar 2024 zum Führungskreis um Orbán gezählt wurde.
Sie musste zurücktreten, weil sie als Justizministerin die Begnadigung eines in einem Pädophilie-Fall Verurteilten durch die Staatspräsidentin gegengezeichnet hatte. Die Begnadigung wühlte die Öffentlichkeit auf, weshalb die Präsidentin zurücktrat und sich auch Varga aus allen politischen Ämtern verabschiedete.
Gespräch mit seiner Ex-Frau veröffentlicht
Die Aufregung um diese Begnadigung war letztlich auch der Start für Magyars populäre Rolle. Es begann, nachdem er ein zuvor selbst aufgezeichnetes Gespräch mit seiner Ex-Frau veröffentlichte. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete vor gut zwei Jahren:
„Ein selbst erklärter Whistleblower hat in Ungarn eine Tonaufnahme veröffentlicht, die auf Korruption in höchsten Regierungskreisen hinweisen soll. Peter Magyar, der Ex-Mann der früheren Justizministerin Judit Varga in der Regierung von Viktor Orban, übergab die Aufnahme am Dienstag der Staatsanwaltschaft in Budapest.
Am Dienstagmorgen veröffentlichte er sie zudem bei Facebook und Youtube. Zu hören ist die Stimme Vargas, die beschreibt, wie andere Regierungsvertreter sich dafür eingesetzt hätten, dass Beweise aus Gerichtsakten verschwinden, um ihre Rollen in Fällen von Korruption zu vertuschen.
‚Sie schlugen den Staatsanwälten vor, was entfernt werden sollte‘, sagt Varga in der Aufnahme, die nach Angaben Magyars in der früheren Wohnung des ehemaligen Paares angefertigt wurde. Varga warf Magyar in einem Facebook-Beitrag am Dienstag häusliche Gewalt während der Ehe vor. Die Aufzeichnung sei unter Druck entstanden.
‚Ich habe gesagt, was er hören wollte, damit ich so schnell wie möglich verschwinden konnte. In einer solchen Situation kann jeder Mensch Dinge sagen, die er nicht meint, wenn er eingeschüchtert ist‘, schrieb Varga.“
Magyar bestritt die häusliche Gewalt, da steht Aussage gegen Aussage. Aber dass er einen Gesprächsmitschnitt offensichtlich gegen den Willen der Gesprächspartnerin veröffentlicht hat, dürfte vielleicht auch auf andere Gesprächspartner nicht zwingend vertrauenserweckend wirken.
EU-Granden setzten auf Magyar
Er hat es jedenfalls geschafft, sich in den letzten zwei Jahren erfolgreich als Kämpfer gegen Korruption und Machtmissbrauch zu inszenieren. Was folgte, waren die Übernahme einer kleinen Partei als Ersatz für eine Parteigründung und ein erster Erfolg bei den Europawahlen 2024. Danach lief er – sehr erfolgreich, wie sich gestern zeigte – mit populistischen Auftritten zur Hochform auf.
Der Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch ist grundsätzlich überall mehrheitsfähig. Damit ließen sich Stimmen sowohl im Lager derer gewinnen, die politisch bislang Fidesz wählten und die gleiche Politik mit weniger Korruption und neuen Köpfen wünschten, als auch Fidesz-Gegner, die vor allem für Magyar stimmten, weil der in der Lage war, Orbán zu schlagen.
Letzteres war auch der Grund, warum die EU-Granden auf Magyar setzten. Doch wie schnell wird der ihre Hoffnungen enttäuschen? Wahrscheinlich wird er die ungarische Blockade gegen Milliarden-Kredite für die Ukraine beenden. Diesbezüglich verschafft er der EU bestimmt tatsächlich eine Erleichterung. Aber wenn es beispielsweise um die Aufnahme von Asylbewerbern geht, dürfte das, wie schon gesagt, nicht der Fall sein. Und bei einem Populisten kann sich niemand sicher sein, welche Politik er für den eigenen Machterhalt und Machtausbau als geeignet ansieht. Die Hoffnung auf verlässliche Loyalität gegenüber der EU könnte ziemlich schnell enttäuscht werden. Für die EU kann sich dieses Wahlergebnis bald als Pyrrhus-Sieg erweisen.
16 Jahre dieselbe Staatsführung sind immer zu lang und man kann den Ungarn nur das Beste wünschen. Zu befürchten steht allerdings, daß Magyar bei seinem zentralen Wahlversprechen der Korruptionsbekämpfung nicht liefern wird und mehr EU-Subsidien nur noch mehr Korruption bringen werden. Sprich, ein ähnliches System mit neuen Spielern, vergleichbar den gescheiterten Versuchen der Korruptionsbekämpfung in Rumänien zwischen 2013 und 2018, oder strukturbedingt eher noch schlimmer. Das strukturelle Problem ist das ´System EU´, von dem das ´System Orban´, dessen permanentem PR-Zirkus zum Trotz, mehr ein kurioser Ableger als eine reelle Alternative war. Was Magyars andere Themen betrifft ist seine Fixierung auf den ökonomisch irrelevanten landwirtschaftlichen Bereich, in den nicht zufällig auch die meisten EU-Subsidien fließen, rückschrittlich und bedenklich. Und könnte auch als neues Einfallstor für die flatterstromende europäische Klimanullität dienen. Bei allen anderen Themen steht weiter zu befürchten, daß Magyar und Tisza für EU-Subsidien absolut alles tun werden, was Königin Uschi und ihre Hofnarren verlangen, vor allem wenn, wie zu befürchten, um die erhöhten EU-Subsidien nur ein abgewandeltes neues Korruptionssystem entsteht. Die wirklich interessante Nachricht vom Wochenende: die Pakistanis haben auf Basis des gegenseitigen Verteidigungsabkommens vom September 2025 bereits am Samstag Kampfflugzeuge in Saudi-Arabien stationiert, was das Teheraner Regime mit Blick auf die Landgrenze zu Pakistan und deren Atombomben sicher wenig erfreuen wird. Und auf neue Framing-Höhenflüge der Iran-Lobby hoffen lässt. Relax & enjoy …
@Andrej Stolz: Dann lesen Sie mal den Artikel beim Blog von Danisch de zum Thema Ungarn Wahlen. Da werden Sie möglicherweise böse überrascht werden.
@B.Jacobs. Das ist alles richtig, aber letztendlich droht uns noch Schlimmeres als Massenmigration und zwar der Sozialismus/Kommunismus. Keine Staatsform hat soviel Blut vergossen unter der eigenen Bevölkerung.Keine Regierung unterdrückt so massiv wie eine Sozialistisch/ Kommunistische. Am Anfang schleichen die sich ein mit sozialer Gerechtigkeit,Gleichheit und Solidarität. Aber wehe wenn ihnen das Volk auf den Leim gegangen ist. Dann wird mit aller Macht aussortiert.
Im Grunde weiß keiner, was er mit dem Neuen bekommt. Er könnte aber deutlich erpressbarer durch die EU sein, weil die Ungarn ihn unter anderem auch gewählt haben, damit Ungarn die EU-Milliarden bekommt. Und damit könnte ihn die EU unter Druck setzen.
Die EU-Subventionen für Ungarn können jetzt wieder sprudeln, siehe [Die Presse: 17 Milliarden Euro liegen in Brüssel bereit für Ungarn unter Peter Magyar]. Das wichtigste politische Instrument des unfähigen und parasitären EU-Beamtenregimes ist die Korruption. Ganze Staaten bzw. Völker werden durch gigantische Subventionen korrumpiert. Das Leit-Paradigma der EU-Kommission ist der „totale Staat“, der jeden Pubs maximal kompliziert und bürokratisch reguliert. ++ Laut [achgut.com: Schul-Propaganda: EU erklärt Gut und Böse] stehen dem EU-Beamtenregime zwischen 2021 und 2027 über zwei Billionen Euro (genauer: 2.018 Milliarden Euro) zur Verfügung, also pro Jahr circa 340 Milliarden Euro. Ob das wirklich Alles ist, kann ich nicht sagen. Eventuell gibt es noch weitere projektbezogene Ausgaben. Finanziert wird das EU-Budget durch die Mitgliedsstaaten. Der größte Netto-Zahler ist Dummland. Ich weiß nicht, ob die EU-Kommission bereits eigenständige direkt (oder indirekt) Kredite aufnehmen kann? In diesem Fall haften natürlich auch die Bürger der Mitgliedsländer.
Immerhin wurde bewiesen, daß Ungarn offensichtlich entgegen aller EU-Behauptungen auch unter Orban ein demokratischer Staat geblieben ist, in dem möglich ist, was z.B. im besten Deutschland, das wie je hatten, schon seit vielen Jahren nicht mehr möglich ist, und wohl auch erst mit einer absoluten Mehrheit der Opposition wieder möglich sein wird: nämlich ein Regierungskartell abzuwählen und einen Poltikwechsel zu ermöglichen. Den Herrschaften in Berlin und Brüssel sollte auch zu Denken geben, daß dort, wo sich nur zwei poltische Blöcke gegenüberstehen, das Wählen für den Bürger sehr übersichtlich wird, und grundsätzlich jede Wahl dann zu einem Machtwechsel führen kann.
Bei einem Urlaub in Ungarn, habe ich mit Einheimischen gesprochen. Die wollten alle Orban los werden. Das war natürlich nicht repräsentativ aber es gibt sie in Ungarn die Orbangegner. Es wurde davon gesprochen, daß er in die eigene Tasche wirtschaftet.